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30. August 2016

Wasserstoffbrücken schlagen


​Als das Sternenkind auf Pluto ankam, weckte es ihn aus einem Schlaf, in welchem er lange gewandelt war. Stück für Stück sorgte sie dafür, dass der Nebel lichter wurde, der ihn umgab. Mit jedem Wort, jeder Berührung und jedem Satz. Sie sah nicht nur wer er war, sondern spürte jede Kleinigkeit und er liebte sie dafür. Ebenso, wie sie ihn.

In dem Durcheinander, das die Welt um sie herum bestimmte, war es kaum ein Zufall, dass sie sich im Auge eines Sturms gegenseitig finden würden. Und obwohl das außen weiter tobte, fanden sie einen Platz, den sonst niemand kannte.

Manchmal saßen sie unter dem fernen blinken hoch am Himmel und sprachen über die Bewegung aller Teile zwischen ihnen, in ihnen und die Verbindung, die das getose zusammenhielt.

Sie zogen ihre Kreise immer enger. Vor dem Urknall war jedes Stück beisammen und so wie es sich anfühlte, kamen sie nun zur Ruhe, aneinander, um zu wachsen, da sich die Teile, die am Anfang zusammen waren, nach langer Suche nun endlich gefunden hatten.

30. Juli 2016

Strömung


​Das große Weinglas neben dem kleinen. 
In der Seele vereint und doch zwischen deinen Worten hindurch gespürt, finde ich zu dir.
Zwischen den Laken treiben wir umher.
Dein Mund blüht zwischen allem und ich verliere mich im Hier.

13. Juli 2016

Sternenkind


sternenkind | oc by plutomond

Die Nachtluft erfasste ihre Haare und kitzelte ihn an der Nase. Er hatte sich zurückgelehnt, auf der hölzernen Bank auf dem Balkon am Vorstadtrand, ein Glas Wein in der Hand und schloss die Augen. Die Kräuter wiegten sich vor ihnen in den Kästen und nickten, zusammen mit den Ästen, zu der Melodie, die sie umgab.
"Weißt du, ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sag', aber du hast mich dazu gebracht, oder viel mehr geholfen, mich zu mögen."

Er sann ein paar Momenten seinen Worten nach, die Blätter um ihn herum schienen sie zu flüstern. Manchmal erfüllt ein Vibrieren die ganze Luft und eine Membran in einem fängt an zu schwingen. Dann weiß man, dass man den Richtigen Platz gefunden hat, wenn das Sein selbst anfängt zu singen.
"Solche Momente reihen sich aneinander, wenn ich hier bin.", sagte er zu niemandem Bestimmten und nach Augenblicken sah er sie an. Wie es seine Gewohnheit geworden war, fingen die Ängste an, in ihm zu schwinden, wenn er in ihre Augen blickte.

"Irgendwie weiß ich, dass ich hier richtig bin. All das, wofür ich jahrelang auf Suche war, hab' ich bei dir gefunden."
Manchmal fehlte der Ausdruck für das, was er sagen wollte, doch diesmal schien es, sollte es gelingen. Die Welt um sie herum vergaß für einen Blick zu Atmen und ihr Selbst fing an zu klingen.
Mit der Existenz, die sie mit ihrer Symphonie und dem Drumherum verband und untereinander, und den Sternen.

17. Juni 2016

Geheimnis der jungen Frau


geheimnis der jungen frau | oc by plutomond

Diese junge Frau hatte mich vollends überrascht mit ihrer Art zu sein. Auch wenn sie sich selbst darüber nicht ganz klar war, sprach die Eigenschaft zu fühlen aus ihr heraus und wenn sie dann dahinter kam, war es oft arg, der Schwere Ausdruck zu verleihen, die diese Erkenntnis und diese Existenz bot. Vielleicht nahmen mich ihre Augen deswegen sofort gefangen, ein braun welches für viele natürlich wirken mochte, in der ich jedoch oft nicht nur mich, sondern auch jede Facette der Welt entdecken konnte.
Worte zu finden für diesen Eindruck, des durch einen hindurch schauens ist nicht leicht. Auch nicht, für wenn sich ihre Gedanken zwischen dem hier und dort verloren, ziellos, wie der Blick, der durch alles und nichts schaute.
Manchmal spürte ich eine Sehnsucht aus ihr hervordringen, nach Normalität, nach Stabilität, nach Alltag und Routine, doch schien es stets unvereinbar mit ihrem Wesen und nur ein kurzer Anflug zu sein.
Manche Menschen werden für das Leben geboren, andere um zu sein und wieder andere um zu fühlen. Doch ist es meiner Meinung nach in unserer Natur, eine ambivalente Leidenschaft für das Uneigene zu entwickeln.
Die Angst davor etwas zu sein, dass sie nicht werden wollte, konnte ich bei ihr jedoch niemals feststellen, zu selbstbestimmt ihr auftreten und zu sicher in ihrer Vorstellung ihrer selbst. Manchmal ertappte ich mich dabei, wie ich sie neidvoll ansah, nach einer solchen kleinen Erkenntnis. Stets schwang dieses aufbrausende Gefühl um und wandelte sich in ernsthaftes Interesse, doch hinter dieses sachte Geheimnis bin ich nie gekommen.

3. Mai 2016

Verheddern & Entknoten



Manchmal, da sah er sie einfach nur beim Reden an. In den Momenten, in denen die Grenze zwischen ihr und dem Moment verschwamm und sie nur Sie war und sonst nichts. Nicht, dass es zwischen ihnen noch Fassaden gab, doch manchmal wirkte die Realität um sie herum ein wenig weniger echt.

Sie verlor sich oft zwischen den Dingen, und er wusste damals nicht wohin mit sich. Er hatte auch die Hoffnung aufgegeben, dass da nochmal etwas ist, das sich vergleichen lässt. Und jetzt weiß er, das ist es nicht. Vergleichbar.

Eher unglaublich und wenn er so in Gedanken daran versank, war ab und an eine Schelle nötig um nicht vollkommen abzudriften. Wie kann es sein, dass sie ihn so verstand? Dumme Frage eigentlich, denn Gründe für so etwas gibt es nicht. Abgeschlossen, das hatte er damit. Mit Zwischenmenschlichkeiten und dem wirklich wichtigen eigentlich.

Damals hatte er sich in sich selbst verfangen, hatte sich verstrickt in Nebensächlichkeiten und saß zerstreut neben dem ganzen Bedeutungslosen und versuchte die Scherben zusammen zu kehren. Doch das alles braucht es nicht, als sie ihm gezeigt hatte, wie sich Licht auf dem Haufen bricht, wenn es darauf fiel.

Er war die Erkenntnis, und sie das Verständnis. Er war verheddern, sie entknoten. Er die Suche, sie Gefunden.

24. April 2016

V.




"Weißt du, auch wenn ich schon einen Ansatz habe, weiß ich immer noch nicht so genau, wo ich eigentlich hin will."
Er saß am Rand des großen und verwüsteten Bettes. Sein Blick schien durch die Welt hinter der Balkontür in die Nacht gerufen worden zu sein und jeder Gedanke sofort in die Dunkelheit davon zu verschwinden, wenn er ihn nur all zu angestrengt zu greifen dachte.
Eine Hand legte sich ihm auf den Rücken. "Viel zu lange Finger, für eine Frau sowieso," er hatte ihr damals den Mund mit seinem verschließen müssen, als sie das sagte, da sie es nicht hatte zurück nehmen wollen.
"Du gehst mit dir selbst zu hart ins Gericht", meinte sie. Ihre nackte Brust hob und senkte sich, als die Glut nahe ihrem Mund kurz aufblitzte, ein kleines verschmitztes rotes Auge zwischen den zwei schlauen Braunen. Sie schienen immer ein Stück zu weit in ihn hineinsehen zu können. Aber das war etwas, das ihn lange nicht mehr beunruhigte. Im Gegenteil.
"Trotzdem hat es mich so lange keinen einzigen Zentimeter weiter gebracht. Ich bin immer noch genauso weit." Er schüttelte den Kopf, machte die Balkontür auf und ließ das verschlafene Murmeln der umgebenden Gassen herein.

Die Nachtluft strich ihm über die Wange und ließ seinen hitzigen Kopf abkühlen. Als er ihre Wärme an seinem Rücken spürte, ließ er sich etwas nach hinten sinken, ließ ihre Mähne ihn im Nacken kitzeln, als sie ihn umarmte.

"Man muss nicht unbedingt die passenden Antworten parat haben. Manchmal reicht es schon die Richtigen Fragen zu stellen." Sie küsste ihn.

Er hatte nie verstanden, wie ein Mädchen, dass von sich selbst immer behauptete nicht sehr schlau zu sein, so wissend und so wunderschön sein konnte.

9. Januar 2016

The Wanderer //

Musik schepperte in seinen Ohren, während er durch die Dünen stapfte.
Sein Kopf schien voll davon, sein Schritt bestimmt dadurch und die endlose Ebene vor ihm sog das Lied, ihm gleich, in sich auf. Er hatte vergessen, wie lange er schon geradeaus ging, oder ob er das überhaupt noch tat. Die Himmelsrichtungen schienen keine Bedeutung mehr zu haben, austauschbar, wie sie geworden waren. Aus seinen Schritten war der anfängliche Enthusiasmus gewichen und noch immer kam er voran, bis er irgendwann seine Spuren im Sand wieder fand und einen anderen Weg nahm. Er ließ sich nicht beirren. Solange er ging, blieb er nicht stehen. Und Stillstand war etwas, mit dem er noch nie Umzugehen wusste.
Als er aufgebrochen war, hatte es kein Ziel gegeben, nur einen Startpunkt. Aber die Entscheidung loszulaufen bereute er nie. Er würde vielleicht nie ankommen, in diesem Leben, aber früher oder später wäre er da.
Das Bündel, das er bei sich trug, hatte er vor abertausenden Schritten verloren, oder es war auseinander gefallen, unbrauchbar, wie alles, das man eine Zeit benutzte. Es störte ihn nicht. Eine Last weniger auf seinen Schultern und die nächsten tausend Meilen waren einfacher als die davor.
Die felsige Wüste mit dem rostroten Staub, der in Wirklichkeit staubiger Rost war, lag normalerweise in einer Ruhe da, die kein lebendes Wesen sich zu stören traute. Nicht einmal der Wind versuchte zu Heulen, egal mit wie vielen Sachen er durch die riesigen Gebirge und Klippen pfiff.
Irgendwann hörte man dann doch das Scheppern des Grammophons, die Schritte des Mannes, der dort oben seines Weges ging und das stetige, unmelodische Summen, mit dem er seinen persönlichen Hit zu begleiten gedachte. Das Herz in seinen Rippen schlug heftig und zwang ihn zum weitergehen und er war sich sicher, würde er einschlafen, würden seine Beine von alleine weiter treten.
Wenn er einen Schritt vorwärts machte, hängte er den nächsten hinten an die Rechnung dran, er blieb nie stehen, aber er kam auch niemals an.


Yeah I'm the wanderer
Yeah, the wanderer
I roam around, around, around

Oh yeah, I'm the type of guy that likes to roam around
I'm never in one place, I roam from town to town

(The Wanderer - Dion // erster Song der Playlist)


life on pluto //





Er dachte über die Geschichte nach, die ihm als kleines Kind erzählt worden war. Der Mann im Mond. Wie oft hatte er dort hoch geblickt und sich gefragt ob sie stimmt. Irgendwann war er sicher, dass es doch nur eine Geschichte ist. Er hatte aufgehört solche Fragen zu stellen und nachzudenken, über solche Dinge.
Komisch, dass er genau jetzt daran dachte, als er auf dem entferntesten Planeten saß. Ein Planet, der nicht mal mehr einer war. Er legte sich auf den Rücken und breitete die Arme aus. Wenn er etwas berührte, zerfiel es um ihn herum zu Staub und wurde fortgetragen von den Winden. Er ballte die Faust und blickte hoch in diese Schwärze. Manchmal, da kann man nur mit dem Zaunpfahl winken, egal aus welcher Ferne.