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13. Juli 2016

Sternenkind


sternenkind | oc by plutomond

Die Nachtluft erfasste ihre Haare und kitzelte ihn an der Nase. Er hatte sich zurückgelehnt, auf der hölzernen Bank auf dem Balkon am Vorstadtrand, ein Glas Wein in der Hand und schloss die Augen. Die Kräuter wiegten sich vor ihnen in den Kästen und nickten, zusammen mit den Ästen, zu der Melodie, die sie umgab.
"Weißt du, ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sag', aber du hast mich dazu gebracht, oder viel mehr geholfen, mich zu mögen."

Er sann ein paar Momenten seinen Worten nach, die Blätter um ihn herum schienen sie zu flüstern. Manchmal erfüllt ein Vibrieren die ganze Luft und eine Membran in einem fängt an zu schwingen. Dann weiß man, dass man den Richtigen Platz gefunden hat, wenn das Sein selbst anfängt zu singen.
"Solche Momente reihen sich aneinander, wenn ich hier bin.", sagte er zu niemandem Bestimmten und nach Augenblicken sah er sie an. Wie es seine Gewohnheit geworden war, fingen die Ängste an, in ihm zu schwinden, wenn er in ihre Augen blickte.

"Irgendwie weiß ich, dass ich hier richtig bin. All das, wofür ich jahrelang auf Suche war, hab' ich bei dir gefunden."
Manchmal fehlte der Ausdruck für das, was er sagen wollte, doch diesmal schien es, sollte es gelingen. Die Welt um sie herum vergaß für einen Blick zu Atmen und ihr Selbst fing an zu klingen.
Mit der Existenz, die sie mit ihrer Symphonie und dem Drumherum verband und untereinander, und den Sternen.

3. Juli 2016

Was zu Hause heißt


Ich weiß wie es ist Angst zu haben. Ich weiß wie es ist zu vereinsamen und innerlich zu verkümmern. Darum versuche ich, niemals zuzulassen, dass du diese hast. Oder einen Verdacht, etwas würde nicht auf Gegenseitigkeit beruhen, oder dass du dir Gedanken machst. Ich bin wegen dir hier, und nur wegen dir. Ich hab bereits zu viel Unsinn hinter mir, um mich auf etwas einzulassen, das mich krank macht. Und wie du weißt, ist bei dir das Gegenteil der Fall. Es ist so, dass du mich heilst - diesen Anspruch hab ich aber nicht an dich - ich will nur dass du weißt, dass du für mich das Beste bist.

Ich hab es dir bereits gesagt, zwischen den Schlucken Wein, auf dem Balkon, in dieser Sommernacht. Ich dachte nicht, dass ich jemanden treffe, der all das mit mir teilt und mein Ich als solches nimmt. Mir das Gefühl gibt, all das war vorherbestimmt.

Ich war eingesperrt zwischen Unsichtbaren Wänden, rannte her und hin, fing an, mich an Bedeutungsloses zu verschwenden und kam doch nie zur Ruhe. Ich war rastlos und begann, von dieser Welt zu schwinden, ganz langsam und unmerklich. Aber als ich dich traf, hatte ich seit Urzeiten wieder das Gefühl, nach Hause zu finden.


17. Juni 2016

Geheimnis der jungen Frau


geheimnis der jungen frau | oc by plutomond

Diese junge Frau hatte mich vollends überrascht mit ihrer Art zu sein. Auch wenn sie sich selbst darüber nicht ganz klar war, sprach die Eigenschaft zu fühlen aus ihr heraus und wenn sie dann dahinter kam, war es oft arg, der Schwere Ausdruck zu verleihen, die diese Erkenntnis und diese Existenz bot. Vielleicht nahmen mich ihre Augen deswegen sofort gefangen, ein braun welches für viele natürlich wirken mochte, in der ich jedoch oft nicht nur mich, sondern auch jede Facette der Welt entdecken konnte.
Worte zu finden für diesen Eindruck, des durch einen hindurch schauens ist nicht leicht. Auch nicht, für wenn sich ihre Gedanken zwischen dem hier und dort verloren, ziellos, wie der Blick, der durch alles und nichts schaute.
Manchmal spürte ich eine Sehnsucht aus ihr hervordringen, nach Normalität, nach Stabilität, nach Alltag und Routine, doch schien es stets unvereinbar mit ihrem Wesen und nur ein kurzer Anflug zu sein.
Manche Menschen werden für das Leben geboren, andere um zu sein und wieder andere um zu fühlen. Doch ist es meiner Meinung nach in unserer Natur, eine ambivalente Leidenschaft für das Uneigene zu entwickeln.
Die Angst davor etwas zu sein, dass sie nicht werden wollte, konnte ich bei ihr jedoch niemals feststellen, zu selbstbestimmt ihr auftreten und zu sicher in ihrer Vorstellung ihrer selbst. Manchmal ertappte ich mich dabei, wie ich sie neidvoll ansah, nach einer solchen kleinen Erkenntnis. Stets schwang dieses aufbrausende Gefühl um und wandelte sich in ernsthaftes Interesse, doch hinter dieses sachte Geheimnis bin ich nie gekommen.

5. Mai 2016

Auf dem Heimweg grinsen


Auch wenn Sie es mir gegenüber nur einmal sagte und sich selbst es sonst auch nicht eingestand, fühlte sie sich die meiste Zeit auch eingesperrt. Deswegen war es auch nie meine Aufgabe sie einzufangen, wie die Redewendung sich sonst gehört, sondern an mir es ihr zu zeigen, wie weit ihre Freiheit führt. Ihr neue Wege zu eröffnen wenn sie manchmal selber keine sah, und ihr die Hand zu halten, wenn der weg gefährlich und die Straße dunkel vor ihr lag. Sie wirkte oft sehr nachdenklich, wenn man sie nur ließ, wenn sie aus der Hektik ausstieg, mit der sie sich sonst umgibt, um dem zu entkommen.

Irgendwann bekam ich es mit der Angst zu tun. Nicht vor ihr, oder davor wie sie war, oder wenn dann nur ein bisschen. Eher ihre Art da hin zu kommen, wo lange niemand war, wenn auch nur Stück für Stück, jedes mal ein Stückchen. Ihr war es nicht bewusst, und auch mir erst als ich heim gegangen war. Dass sie während sie dort unten lag, in Unterwäsche, ansonsten nackt, zwischen meinen Armen liegend und zur Decke blickend philosophierend alle meine Mauern niederrannte.

4. Mai 2016

Weltschmerz und wie es ist


Er wusste, wenn er sie so an sah, dass irgendetwas in ihr drin traurig war. Und er liebte sie dafür um so mehr. Nicht, weil Melancholie aus ihren Augen sprach, sondern weil sie spürte. Sie empfänglich war für den ganzen Schmerz, der sie umgab. Vielleicht machte sie das noch besonderer. Er war ja selbst nie wirklich da, aber er wusste, wenn er gehen musste, nähme er sie mit. Zwischen die Sterne, er würde ihr zeigen, wieso er Mondkind hieß. Er würde sie den Staub berühren lassen, der zwischen allen Teilchen fließt, zwischen den Planeten in dem großen Nichts.

Er würde ihr Lauschen, nicht nur, wenn sie etwas sagte, sondern das, was zwischen den Worten kam. Die Feinfühligkeiten, die man nur spüren konnte, mit einer Zwischen-den-Zeilen-Membran, die schwang, wenn ihre Seele sang. Wenn die Zeit bedeutungslos geworden war und er neben ihr auf der Matratze lag. Er hatte sich wieder einmal verheddert, diesmal in ihrem Haar.

"Ich kann dir nicht erklären wie es sich anfühlt, oder wieso ich so bin. Aber ich habe immer das Gefühl, das müsste ich gar nicht." und damit hatte sie Recht. Es ging nicht um Verstehen, sondern um Verständnis. Es ging nicht ums alleine sein, sondern um Erkenntnis. Er wusste, dass sie jeden Tag drum kämpfte und sie stärker war, als alles was er kannte.

Vielleicht hat man Angst vor dem Fallen, doch wenn jemand unten steht, und neben dir sitzt, wenn es ganz nach unten geht, weiß man, wen man hat. Und egal was auch passieren mochte, selbst wenn er es für sich nicht war, für sie war er da.

9. Januar 2016

The Wanderer //

Musik schepperte in seinen Ohren, während er durch die Dünen stapfte.
Sein Kopf schien voll davon, sein Schritt bestimmt dadurch und die endlose Ebene vor ihm sog das Lied, ihm gleich, in sich auf. Er hatte vergessen, wie lange er schon geradeaus ging, oder ob er das überhaupt noch tat. Die Himmelsrichtungen schienen keine Bedeutung mehr zu haben, austauschbar, wie sie geworden waren. Aus seinen Schritten war der anfängliche Enthusiasmus gewichen und noch immer kam er voran, bis er irgendwann seine Spuren im Sand wieder fand und einen anderen Weg nahm. Er ließ sich nicht beirren. Solange er ging, blieb er nicht stehen. Und Stillstand war etwas, mit dem er noch nie Umzugehen wusste.
Als er aufgebrochen war, hatte es kein Ziel gegeben, nur einen Startpunkt. Aber die Entscheidung loszulaufen bereute er nie. Er würde vielleicht nie ankommen, in diesem Leben, aber früher oder später wäre er da.
Das Bündel, das er bei sich trug, hatte er vor abertausenden Schritten verloren, oder es war auseinander gefallen, unbrauchbar, wie alles, das man eine Zeit benutzte. Es störte ihn nicht. Eine Last weniger auf seinen Schultern und die nächsten tausend Meilen waren einfacher als die davor.
Die felsige Wüste mit dem rostroten Staub, der in Wirklichkeit staubiger Rost war, lag normalerweise in einer Ruhe da, die kein lebendes Wesen sich zu stören traute. Nicht einmal der Wind versuchte zu Heulen, egal mit wie vielen Sachen er durch die riesigen Gebirge und Klippen pfiff.
Irgendwann hörte man dann doch das Scheppern des Grammophons, die Schritte des Mannes, der dort oben seines Weges ging und das stetige, unmelodische Summen, mit dem er seinen persönlichen Hit zu begleiten gedachte. Das Herz in seinen Rippen schlug heftig und zwang ihn zum weitergehen und er war sich sicher, würde er einschlafen, würden seine Beine von alleine weiter treten.
Wenn er einen Schritt vorwärts machte, hängte er den nächsten hinten an die Rechnung dran, er blieb nie stehen, aber er kam auch niemals an.


Yeah I'm the wanderer
Yeah, the wanderer
I roam around, around, around

Oh yeah, I'm the type of guy that likes to roam around
I'm never in one place, I roam from town to town

(The Wanderer - Dion // erster Song der Playlist)


life on pluto //





Er dachte über die Geschichte nach, die ihm als kleines Kind erzählt worden war. Der Mann im Mond. Wie oft hatte er dort hoch geblickt und sich gefragt ob sie stimmt. Irgendwann war er sicher, dass es doch nur eine Geschichte ist. Er hatte aufgehört solche Fragen zu stellen und nachzudenken, über solche Dinge.
Komisch, dass er genau jetzt daran dachte, als er auf dem entferntesten Planeten saß. Ein Planet, der nicht mal mehr einer war. Er legte sich auf den Rücken und breitete die Arme aus. Wenn er etwas berührte, zerfiel es um ihn herum zu Staub und wurde fortgetragen von den Winden. Er ballte die Faust und blickte hoch in diese Schwärze. Manchmal, da kann man nur mit dem Zaunpfahl winken, egal aus welcher Ferne.