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14. September 2016

Rückblende

Er blickte auf den Zettel herab, als er am Straßenrand stand. Vor Jahren hatte er das geschrieben. In einer Hand das Papier, die andere mit Daumen ausgestreckt in Richtung neues Ziel fing er an zu lesen. Viel hatte sich seitdem verändert, nicht mal der Name war geblieben.

"Das Brummen des Motors dröhnte hinter ihm, und Autos, von ihm durch eine Leitplanke abgetrennt, schnitten davor die Luft in fühlbare Scheiben. Eine tiefe Nebelwolke hing in der Senke und berührte die Wipfel der uralten Bäume, die sich wie Finger in die mittelgraue Wattedecke gruben. Der Asphalt der endlosen Autobahn pflügte mitten hindurch, und das unaufhörliche Vorbeirauschen der Autos schien das Undurchsichtige von der Fahrbahn fern zu halten.
Er stand auf einem Rastplatz, am Rande der vier Spuren und lehnte an dem türkisenen VW-Bus, von dem an manchen Stellen schon die Farbe abblätterte und den rotbraunen Rost darunter freigab. Es war nasskalt, feucht und die Luft schien dick und schwer auf die Tautropfen zu drücken, die sich an die tiefgrünen Grashalme klammerten.
Der Paperman knöpfte sich den Mantel höher zu. Eine Hand tastete in seiner Tasche und zog eine Schachtel Glimmstängel hervor. Der gewohnte Geschmack einer noch unbenutzten Zigarette berührte seine Lippen und es knisterte Leise, als die schwache Flamme des Feuerzeugs gegen den allgegenwärtigen Wind ankämpfte. Er wartete. Zug um Zug wurde die Kippe kleiner, veraschte sich, wehte davon. Bekam etwas neues zu sehen.
Er sah nach oben. Wo war er jetzt? Wie weit war es noch? Wie lange dauerte seine Reise schon und wie lange würde er noch gehen müssen? Es war ihm egal. Zufriedenheit breitete sich aus, genau wie ein Lächeln in seinem unrasierten Gesicht. Ein Mädchen lief auf ihn zu, sie schwang eine Tüte über dem Kopf und lachte. Ein seltsamer Druck auf dem Herzen, dieses Lachen.

Sie setzten sich in den Bus und die Türen knarzten leise, als sie zugeschwungen wurden. Der Motor dröhnte ein wenig lauter, und zurück blieb nur der flüchtige Schall ihres hellen Lachens, und die Asche am Boden.
Und die Erinnerungen. Auch sie bleiben.

18.12.2011"

17. Juni 2016

Geheimnis der jungen Frau


geheimnis der jungen frau | oc by plutomond

Diese junge Frau hatte mich vollends überrascht mit ihrer Art zu sein. Auch wenn sie sich selbst darüber nicht ganz klar war, sprach die Eigenschaft zu fühlen aus ihr heraus und wenn sie dann dahinter kam, war es oft arg, der Schwere Ausdruck zu verleihen, die diese Erkenntnis und diese Existenz bot. Vielleicht nahmen mich ihre Augen deswegen sofort gefangen, ein braun welches für viele natürlich wirken mochte, in der ich jedoch oft nicht nur mich, sondern auch jede Facette der Welt entdecken konnte.
Worte zu finden für diesen Eindruck, des durch einen hindurch schauens ist nicht leicht. Auch nicht, für wenn sich ihre Gedanken zwischen dem hier und dort verloren, ziellos, wie der Blick, der durch alles und nichts schaute.
Manchmal spürte ich eine Sehnsucht aus ihr hervordringen, nach Normalität, nach Stabilität, nach Alltag und Routine, doch schien es stets unvereinbar mit ihrem Wesen und nur ein kurzer Anflug zu sein.
Manche Menschen werden für das Leben geboren, andere um zu sein und wieder andere um zu fühlen. Doch ist es meiner Meinung nach in unserer Natur, eine ambivalente Leidenschaft für das Uneigene zu entwickeln.
Die Angst davor etwas zu sein, dass sie nicht werden wollte, konnte ich bei ihr jedoch niemals feststellen, zu selbstbestimmt ihr auftreten und zu sicher in ihrer Vorstellung ihrer selbst. Manchmal ertappte ich mich dabei, wie ich sie neidvoll ansah, nach einer solchen kleinen Erkenntnis. Stets schwang dieses aufbrausende Gefühl um und wandelte sich in ernsthaftes Interesse, doch hinter dieses sachte Geheimnis bin ich nie gekommen.

15. Juni 2016

Unruhige Hände

Gegen Nähe hab ich nie was einzuwenden. Du lachst und sagst, dafür hätt‘ ich zu unruhige Hände. Aber dafür kann ich meiner Meinung nach nichts, wenn du es bist, die neben mir liegt.
Hast du mal versuchst still zu sein, neben jemandem wie dir? Nicht das Verlangen gespürt zu prüfen ob das überhaupt echt ist hier?
Manchmal hatte ich Angst aufzuwachen, auf dem Heimweg zu mir. Dass sich mein geist zwischen den Flecken der Straßenlaternen verliert und alles nur Einbildung war.

21. Januar 2016

Kampf gegen die Realität //

Es ist schwer im Moment zu leben, wenn objektiv die einzig gute Qualität das aufbereiten vergangener Ereignisse ist. Ich habe Realitätsflucht betrieben, in großem Maße. Habe mich verheddert zwischen Knotenpunkten aus Abschottung und Selbstdarstellung und einer Realität, die, nicht nur für mich, zunehmend im Netz stattfindet.

Und es ist schwer über solcherlei zu schreiben, wenn die Moralkeule so bequem neben dem Bild des Überblicks der eigenen Entgleisung hängt. Ich hatte in der letzten Zeit zu kämpfen, mit meiner eigenen Flüchtlingskrise. Das ist zugegebenermaßen ein sehr schlechter Vergleich und doch für mich teilweise zutreffend.

Ich kam mir fremd vor, in mir selbst. Den Wagen, den ich fuhr, habe ich konsequent in einem Matsch der Unsicherheit festgefahren und würde es in dem Sumpf eine Wand geben, wäre ich langsam aber sicher und ohne Airbags dagegen gefahren. Die Konsequenzen haben sich immer bemerkbarer gemacht und selbst unter Beihilfe von Betäubungsmitteln musste die Einsicht irgendwann folgen. Körperlich ging es mir schlechter, von psychischen Folgen ganz zu schweigen. Rückblickend könnte man sich selbst ohrfeigen dafür, wenn die Entfernung des eigenen Arms nicht viel zu kurz wäre, für das Ausholen, dass dieser Schelle eigentlich bedarf.
Zudem habe ich gemerkt, dass ich am besten schreibe (objektiv), wenn ich am ehrlichsten bin und kein Blatt vor den Mund nehme. Das hier ist also nicht nur ein Bloßstellen euch gegenüber, sondern gleichzeitig eine Kampfansage an das eigene Unvermögen. Oder eine Kampfansage an die Realität, vor der ich solange davon gerannt bin.

15. Januar 2016

Russisch Roulette // Staubtanz


Es gibt nur zwei Arten von Menschen auf der Welt. Leute, die Russisch Roulette gewonnen, oder nie gespielt haben. Zum Glück hatte er immer Pech in der Liebe.
Aber statt sich mit seinen eigenen Problemen auseinander zu setzen, hält man den kalten Lauf der Waffe lieber jemand anders an die Schläfe. “Dann ist es auch leichter abzudrücken.”, denkt er.
Er stand vom Tisch auf, auf dem sich glitzernd der Revolver drehte. Keine der imaginären Personen am Tisch folgte ihm. Sie saßen stillschweigend und sahen im nach, während er in den Sand einsinkend davon stapfte. Sie machten sich nicht die Mühe, ihm nachzujagen. Irgendwann würde er sich wieder zu ihnen an den Tisch setzen, die Trommel neu gefüllt, die Karten neu gemischt werden.

Das Kratzen verstummte und zurück blieben nur die Lichtflecke, die über die langsam verblassenden Spuren im Staub des Mondes tanzten.

9. Januar 2016

The Wanderer //

Musik schepperte in seinen Ohren, während er durch die Dünen stapfte.
Sein Kopf schien voll davon, sein Schritt bestimmt dadurch und die endlose Ebene vor ihm sog das Lied, ihm gleich, in sich auf. Er hatte vergessen, wie lange er schon geradeaus ging, oder ob er das überhaupt noch tat. Die Himmelsrichtungen schienen keine Bedeutung mehr zu haben, austauschbar, wie sie geworden waren. Aus seinen Schritten war der anfängliche Enthusiasmus gewichen und noch immer kam er voran, bis er irgendwann seine Spuren im Sand wieder fand und einen anderen Weg nahm. Er ließ sich nicht beirren. Solange er ging, blieb er nicht stehen. Und Stillstand war etwas, mit dem er noch nie Umzugehen wusste.
Als er aufgebrochen war, hatte es kein Ziel gegeben, nur einen Startpunkt. Aber die Entscheidung loszulaufen bereute er nie. Er würde vielleicht nie ankommen, in diesem Leben, aber früher oder später wäre er da.
Das Bündel, das er bei sich trug, hatte er vor abertausenden Schritten verloren, oder es war auseinander gefallen, unbrauchbar, wie alles, das man eine Zeit benutzte. Es störte ihn nicht. Eine Last weniger auf seinen Schultern und die nächsten tausend Meilen waren einfacher als die davor.
Die felsige Wüste mit dem rostroten Staub, der in Wirklichkeit staubiger Rost war, lag normalerweise in einer Ruhe da, die kein lebendes Wesen sich zu stören traute. Nicht einmal der Wind versuchte zu Heulen, egal mit wie vielen Sachen er durch die riesigen Gebirge und Klippen pfiff.
Irgendwann hörte man dann doch das Scheppern des Grammophons, die Schritte des Mannes, der dort oben seines Weges ging und das stetige, unmelodische Summen, mit dem er seinen persönlichen Hit zu begleiten gedachte. Das Herz in seinen Rippen schlug heftig und zwang ihn zum weitergehen und er war sich sicher, würde er einschlafen, würden seine Beine von alleine weiter treten.
Wenn er einen Schritt vorwärts machte, hängte er den nächsten hinten an die Rechnung dran, er blieb nie stehen, aber er kam auch niemals an.


Yeah I'm the wanderer
Yeah, the wanderer
I roam around, around, around

Oh yeah, I'm the type of guy that likes to roam around
I'm never in one place, I roam from town to town

(The Wanderer - Dion // erster Song der Playlist)


21. Dezember 2015

Cocooning //


Es ist eine Weile her, seitdem hier etwas neues zu lesen war und wenn ich ehrlich bin, hat das natürlich seinen Grund gehabt. In der letzten Zeit glich der Blog wohl mehr einer Themaverfehlung, war zu sehr angelehnt an Dinge, die nicht mehr existieren. Deswegen wird es hier demnächst Veränderungen geben. Wie geartet, werden wir sehen, doch die Grundidee soll sich ändern.
Es macht keinen Sinn mehr für mich, in der Vergangenheit zu leben und es ist nötig, mal seinen Arsch zu bewegen und den Tatsachen ins Auge zu blicken, die man lange nicht wahr haben wollte. Ich bin dankbar für jeden Leser, nur leider liest niemand von denen die sollten.
Vielleicht macht ihr mit mir ja den Neuanfang mit und sucht neue Straßen, aber bis dahin ziehe ich mich erst kurz zurück.