30. September 2016

Raststätte


Hans Op de Beek | 2008
Wenn man die Bedienung der kleinen Raststätte am Rande der großen Autobahn gefragt hätte, wie sie zu dem Zettel kam, hätte sie nicht viel sagen können. Auch nicht zu dem späten Gast, der an einem der hintersten Tische an der Glasfront gesessen hatte, über dessen Acryltischplatte die alte Glühbirne immer um die selbe Zeit ihr gelbes Licht ausgoss. Die Neonröhren der Reklame beflackerten jede Nacht den verregneten Parkplatz, schienen ihn erstarren zu lassen und die Zeit einzufrieren, und da sich nur selten Fahrer dorthin verirrten und die Autobahn, welche durch Hügel, Felder und modrige Wälder pflügte, kaum befahren wurde.

Die blechernen Stimmen gerade bekannter Rock und Popstars wurde von der frittenfettschweren Luft durch den Raum geweht, wann immer die Glastür lautlos zur Seite glitt und einen das verzerrte Spiegelbild, im steril sauber gebonerten Boden, in Empfang nahm.

Sie wäre damals sehr vertieft gewesen, ihren eigenen Gedanken nachgehangen, hätte sie wahrscheinlich gesagt und in der feuchten Nachtluft frierend, währenddessen ihre Zigarette halb zu Ende gezogen.
Wenn man eine Weile an einer Durchfahrt arbeitet, stumpfe man ab und merke sich selten noch alle Details, vor allem, wenn man es schon so lange machen würde, wie sie.
Sie war nur auf ihn aufmerksam geworden, weil er seinen Mantel nicht abgelegt habe, würde sie erzählen, dabei sei er doch beinahe eine Stunde in dem kleinen Glaskasten geblieben, gleich dort unter dem rot und pink leuchtenden Reklameschild.

Er habe einen doppelten Espresso bestellt und sonst nur gesessen, deshalb habe sie ihn aus den Gedanken verloren.
Da er sofort bezahlte, sei ihr überhaupt nicht aufgefallen, dass er weg war, sie habe beinahe vergessen, er sei überhaupt hier gewesen, hätte sie nicht eine Serviette gefunden, auf der stand:



Wir geben uns hin, wenn dem Licht nach die Abenddämmerung beginnt.
Verlieren uns zu den Velvets, im Herz den Takt von Elvis. 

Durch das Fenster sieht deine Haut ganz rosa aus und die letzte Sonne des Tages fließt über deine Rippen.
Ich fahre mit den Fingern den Weg deiner Körpermitte hoch, und küsse deine Lippen.

Während es mir vorkommt, als ob die Welt den Atem anhält, hören wir doch nur unser Keuchen.
Und obwohl die Erde das Licht schon vergisst, hört man die Regentropfen in den Bäumen.

Langsam spinnt sich ein Kokon um uns, und ich um dich mit sanften Küssen.
Irgendwann verlieren wir uns ineinander und den Kissen. 

Bis irgendwann der morgen und die Welt wieder kommt, lasse ich dich wissen;
Dass es nichts Schöneres gibt, als neben dir zu liegen,
bis alle Atome vibrieren und wir uns nie vergessen müssen.

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